Fortbildung Industriemeister/in Elektrotechnik
Industriemeisterinnen und Industriemeister der Fachrichtung Elektrotechnik führen Gruppen von Fachkräften in Produktion, Instandhaltung oder Montage. Sie planen Personal- und Materialeinsatz, verteilen Aufträge, überwachen Termine und greifen bei Störungen an elektrischen Anlagen und …
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Überblick
Industriemeisterinnen und Industriemeister der Fachrichtung Elektrotechnik führen Gruppen von Fachkräften in Produktion, Instandhaltung oder Montage. Sie planen Personal- und Materialeinsatz, verteilen Aufträge, überwachen Termine und greifen bei Störungen an elektrischen Anlagen und Automatisierungstechnik ein. Sie verantworten die Arbeitssicherheit und die Vorschriften für elektrische Anlagen und dokumentieren Prüfungen und Instandhaltung. Sie bewerten Kosten, Qualitätskennzahlen und Stillstandszeiten. Mit der berufs- und arbeitspädagogischen Qualifikation betreuen sie Auszubildende. Ein großer Teil der Arbeit ist Kommunikation mit Fertigungsleitung, Nachbarbereichen und dem eigenen Team.
Wenn du seit Jahren in der Instandhaltung arbeitest und dir die Prüfung als großer Block vorkommt: die belegten Angebote laufen zwischen 18 und 27 Monaten, überwiegend berufsbegleitend in Teilzeit, und sie sind in Basis- und Fachqualifikationen geteilt, die getrennt geprüft werden. Du musst nicht alles auf einmal können. Lass dir vor der Anmeldung von der prüfenden Stelle bestätigen, dass Ausbildung und Praxiszeiten für die Zulassung reichen.
Kursinhalte & Lernziele
- Modul 1: Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen (24 Wochen) – Der Basisteil schafft die kaufmännische, rechtliche und methodische Grundlage und wird in der Prüfung getrennt vom fachlichen Teil abgefragt. Viele Anbieter legen diesen Block bewusst nach vorn, weil er in allen Fachrichtungen identisch ist. Inhalte: Rechtsbewusstes Handeln, Arbeits- und Arbeitsschutzrecht, Betriebswirtschaftliches Handeln, Kosten- und Leistungsrechnung, Anwendung von Methoden der Information, Kommunikation und Planung, Zusammenarbeit im Betrieb, Kommunikation und Konfliktbearbeitung, Naturwissenschaftliche und technische Gesetzmäßigkeiten.
- Modul 2: Fachqualifikation Technik (28 Wochen) – Der technische Kern der Fachrichtung Elektrotechnik. Hier wird die Praxis aus der eigenen Anlage systematisiert, damit Störungen, Umbauten und Prüfungen nicht nur behoben, sondern geplant und bewertet werden können. Inhalte: Elektrische Maschinen, Antriebe und Energieversorgung, Steuerungs-, Regelungs- und Automatisierungstechnik, Installations- und Anlagentechnik, Schutzmaßnahmen und Prüfungen, Informations- und Kommunikationstechnik in der Fertigung, Instandhaltungsstrategien und Störungsanalyse.
- Modul 3: Fachqualifikation Organisation (20 Wochen) – Organisation ist der Teil, an dem sich die Meisterfunktion im Alltag entscheidet: Aufträge, Kapazitäten, Kosten und Sicherheitspflichten müssen gleichzeitig im Blick bleiben und nachvollziehbar dokumentiert werden. Inhalte: Planung, Steuerung und Überwachung von Aufträgen, Kosten-, Termin- und Kapazitätsplanung, Qualitätsmanagement und Kennzahlen, Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz im Verantwortungsbereich.
- Modul 4: Fachqualifikation Führung und Personal (16 Wochen) – Führung wird als Handwerk behandelt und nicht als Charakterfrage: Gespräche, Einsatzplanung und Personalentwicklung werden an Situationen aus dem Betrieb geübt, weil genau diese Situationen im Fachgespräch der Prüfung auftauchen. Inhalte: Personalführung und Mitarbeitergespräche, Personalentwicklung und Einsatzplanung, Betriebliche Mitbestimmung und Zusammenarbeit mit Interessenvertretungen, Umgang mit Konflikten und Leistungsproblemen.
- Modul 5: Berufs- und arbeitspädagogische Qualifikation (8 Wochen) – Dieser Teil entspricht der Ausbildereignung. Er wird in einer eigenen Prüfung mit praktischer Unterweisung abgeschlossen und ist auch ohne den vollständigen Meistertitel im Betrieb verwertbar. Inhalte: Ausbildungsvoraussetzungen und Ausbildungsplanung, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Unterweisungen, Lernen im Arbeitsprozess, Umgang mit Auszubildenden, Abschluss der Ausbildung, Prüfungsvorbereitung und Zeugnisse.
- Modul 6: Prüfungsvorbereitung und situationsbezogene Aufgaben (4 Wochen) – Abschließender Block, in dem die drei Fachqualifikationen als zusammenhängende Situationsaufgaben trainiert werden. Die Prüfung fragt nicht Einzelwissen ab, sondern Entscheidungen in betrieblichen Lagen. Inhalte: Bearbeitung von Situationsaufgaben aus Technik, Organisation und Führung, Übung des situationsbezogenen Fachgesprächs, Altprüfungen und Zeitmanagement in der Klausur.
Lernziele:
- Der Abschluss ist ein bundesweit einheitlich geregelter Fortbildungsabschluss und wird von der zuständigen Kammer geprüft, nicht vom Bildungsträger selbst.
- Die Fortbildung ist berufsbegleitend organisierbar: in den belegten Angeboten sind Teilzeit und Vollzeit sowie Präsenzunterricht, Blended Learning, Online-Seminar, virtuelles Klassenzimmer und Fernunterricht hinterlegt.
- Sie verbindet Elektrotechnik mit Führung, Kostenrechnung und Recht und öffnet damit Aufgaben, die einer reinen Fachkrafttätigkeit verschlossen bleiben.
- Die enthaltene Ausbildereignung ist unabhängig vom Meistertitel im Betrieb einsetzbar.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Fortbildung richtet sich an Elektrofachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufspraxis, die Verantwortung für eine Instandhaltungs-, Produktions- oder Montagegruppe übernehmen wollen. Sie ist eine Aufstiegsfortbildung und kein Weg in den Beruf: ohne einschlägige Berufsausbildung und ohne die von der prüfenden Stelle geforderte Berufspraxis ist die Zulassung zur Prüfung nicht möglich. Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger ohne Berufsabschluss sind hier nicht die Zielgruppe.
- Elektronikerinnen und Elektroniker sowie Mechatronikerinnen und Mechatroniker mit abgeschlossener Ausbildung und mehrjähriger Berufspraxis
- Fachkräfte aus Instandhaltung, Automatisierung oder Anlagenbetrieb, die eine Schicht oder Gruppe führen sollen
- Beschäftigte, die die Ausbildereignung erwerben und Auszubildende im Betrieb betreuen wollen
- Berufserfahrene, die Verantwortung für Arbeitssicherheit, Kosten und Personaleinsatz in der Elektrotechnik übernehmen wollen
Diese Aufstiegsfortbildung setzt eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus, in der Regel zusätzlich Berufspraxis. Sie ist keine Umschulung und kein Einstieg für Quereinsteiger ohne Abschluss – die Zulassungsvoraussetzungen regelt die Prüfungsordnung der zuständigen Kammer beziehungsweise das Landesrecht.
- Abgeschlossene Berufsausbildung im einschlägigen Bereich
- Berufspraxis nach der Ausbildung, Umfang nach Prüfungsordnung
- Bereitschaft zu einer Qualifizierung über 24 Monate in Teilzeit
- Eigener Rechner und Selbstlerndisziplin, da die Angebote Fern- oder Online-Anteile haben
- Aufnahmegespräch beim Bildungsträger
Ablauf & Abschluss
Blended Learning, Fernunterricht, Präsenzunterricht
24 Monate (berufsbegleitend in Teilzeit) – belegte Laufzeit: 730 Tage
Betriebspraktikum: Kein Betriebspraktikum – die Fortbildung setzt Berufspraxis voraus.
Prüfung der fachrichtungsübergreifenden Basisqualifikationen: schriftliche Aufgaben zu rechtsbewusstem Handeln, betriebswirtschaftlichem Handeln, Anwendung von Methoden der Information, Kommunikation und Planung sowie Zusammenarbeit im Betrieb. Dieser Teil ist in allen Fachrichtungen gleich und kann zeitlich vor dem fachlichen Teil abgelegt werden.
Prüfung der fachrichtungsspezifischen Fachqualifikationen in Technik, Organisation sowie Führung und Personal, ergänzt um ein situationsbezogenes Fachgespräch, und die berufs- und arbeitspädagogische Qualifikation mit praktischer Unterweisung. Abgenommen wird die Prüfung von der Handelskammer Bremen, von Industrie- und Handelskammern oder von der jeweils zuständigen Kammer; Termine, Gebühren und Wiederholungsregeln legt diese Stelle fest.
Prüfende Stelle: Handelskammer Bremen, Industrie- und Handelskammer, Zuständige Kammer. Offizieller Abschluss: Geprüfte:r Industriemeister:in Elektrotechnik (IHK).
Als Aufstiegsfortbildung wird diese Qualifizierung in der Regel über das Aufstiegs-BAföG (AFBG) gefördert, das Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bezuschusst. Der Bildungsgutschein kommt hier meist nicht in Frage, weil er auf Menschen ohne verwertbaren Berufsabschluss zielt – diese Fortbildung setzt einen Abschluss voraus. Belegte Kostenrahmen der Angebote: 1.000–5.000 €, 5.000–10.000 €.
Nutzen & Perspektiven
Das Angebot ist breit: 49 Lehrgänge über 18 Monate von sieben Anbietern an 20 Standorten. Wer weiter weg wohnt, findet Fernunterricht, Online-Seminar, virtuelles Klassenzimmer und Blended Learning. Der Abschluss ist im industriellen Umfeld eine gängige Voraussetzung für Gruppen- und Schichtverantwortung. Ob die Funktion auch bezahlt wird, klärt man vorher.
Die Spanne ist ein Erfahrungswert und keine Zusage. Entscheidend sind die Tarifbindung des Betriebs, die Einstufung in die betriebliche Entgeltstruktur, Schicht- und Rufbereitschaftszuschläge, die Betriebsgröße sowie die Region. Ohne Tarifbindung und ohne Führungsverantwortung liegt das Entgelt regelmäßig am unteren Rand, in tarifgebundenen Industriebetrieben mit Meisterfunktion und Schichtverantwortung eher am oberen Rand.
- Einstieg: ca. 41.000–47.000 €
- Mit Berufserfahrung: ca. 49.000–59.000 €
- Spezialist oder Leitung: ca. 66.000–74.000 €
- Typische Tätigkeitsfelder: Instandhaltung und Anlagenbetrieb in der Produktion, Elektrische Automatisierung, Steuerungs- und Antriebstechnik, Schicht- und Gruppenführung in der Fertigung, Arbeitssicherheit und Prüforganisation für elektrische Anlagen, Montage, Inbetriebnahme und technischer Service, Betriebliche Ausbildung und Einarbeitung neuer Fachkräfte
- Typische Arbeitgeber: Industriebetriebe der Elektro- und Metallbranche, Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbau, Energieversorger und Netzbetreiber, Chemie-, Papier- und Lebensmittelproduktion mit eigener Instandhaltung, Technische Dienstleister für Instandhaltung und Inbetriebnahme, Öffentliche Betriebe mit eigener Anlagentechnik
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Arbeitsmarkt-Report
Zielberufe
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten.
- Instandhaltung und Anlagenbetrieb in der Produktion
- Elektrische Automatisierung, Steuerungs- und Antriebstechnik
- Schicht- und Gruppenführung in der Fertigung
- Arbeitssicherheit und Prüforganisation für elektrische Anlagen
- Montage, Inbetriebnahme und technischer Service
- Betriebliche Ausbildung und Einarbeitung neuer Fachkräfte
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist das eine Umschulung, die ich ohne Berufsabschluss beginnen kann?
Nein. Es handelt sich um eine Aufstiegsfortbildung. Voraussetzung ist eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung, in der Regel im elektrotechnischen Bereich, plus Berufspraxis; die genauen Zulassungsvoraussetzungen prüft die zuständige Stelle. Das sind die Handelskammer Bremen, Industrie- und Handelskammern sowie die jeweils zuständige Kammer. Alle 49 Angebote sind als Aufstiegsfortbildung eingeordnet, keines als Umschulung. Ohne Berufsabschluss ist dieser Weg nicht der richtige Einstieg.
Wird das über einen Bildungsgutschein bezahlt?
Der Bildungsgutschein ist für diesen Abschluss nicht der vorgesehene Weg, weil es keine Umschulung ist. Der übliche Förderweg für Aufstiegsfortbildungen ist das Aufstiegs-BAföG, das Beiträge zu Lehrgangs- und Prüfungsgebühren übernimmt und bei Vollzeitmaßnahmen einen Unterhaltsbeitrag vorsieht. Die Kosten liegen zwischen 1.000 und 10.000 Euro, aufgeteilt in die Bereiche 1.000 bis 5.000 Euro und 5.000 bis 10.000 Euro. Antrag und Zuständigkeit klären die Ämter für Aufstiegsfortbildungsförderung, teilweise beteiligen sich auch Arbeitgeber.
Wie lange dauert die Fortbildung und geht das neben dem Job?
Die belegten Angebote laufen zwischen 18 und 27 Monaten, die hinterlegten Laufzeiten reichen von 536 bis 812 Tagen. Sowohl Teilzeit als auch Vollzeit ist vertreten, ebenso Präsenzunterricht, Blended Learning, Online-Seminar, virtuelles Klassenzimmer und Fernunterricht. Berufsbegleitend ist damit machbar, verlangt aber verlässliche Lernzeit über fast zwei Jahre. Wer die Fortbildung in Vollzeit absolviert, sollte die Freistellung und die Finanzierung des Lebensunterhalts vorher regeln.
Warum tauchen unter den Angeboten auch Kurse zur Fachrichtung Mechatronik auf?
Die hinterlegten Angebotstitel umfassen sowohl Vorbereitungskurse auf die Prüfung zum Industriemeister Elektrotechnik als auch zum Industriemeister Mechatronik. Beide Fachrichtungen teilen die fachrichtungsübergreifenden Basisqualifikationen, unterscheiden sich aber im fachlichen Teil und in der Prüfung. Prüfe vor der Buchung im Angebotstext, auf welchen Abschluss der Kurs vorbereitet, und lass dir von der prüfenden Stelle bestätigen, dass deine Ausbildung zur gewählten Fachrichtung passt.
Muss ich die Ausbildereignung getrennt erwerben?
Die berufs- und arbeitspädagogische Qualifikation ist Bestandteil der Meisterprüfung und wird in einem eigenen Prüfungsteil mit praktischer Unterweisung abgeschlossen. Wer diesen Teil bereits über eine anerkannte Ausbildereignungsprüfung nachweisen kann, kann sich unter Umständen davon befreien lassen; das entscheidet die zuständige Stelle. Kläre das vorab, weil sich daraus Kurslänge und Kosten ändern können.